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Warum viele Menschen kommunizieren aber keine Beziehung aufbauen.

Vielleicht wünsche ich mir gar keine Klarheit.


Sondern etwas, das noch viel wertvoller ist.

Es gibt Wörter, die benutzen wir ständig.

Liebe.

Vertrauen.

Respekt.

Freiheit.

Klarheit.


Und irgendwie gehen wir automatisch davon aus, dass der andere schon ungefähr dasselbe darunter versteht wie wir.

Komisch eigentlich.

Denn wenn wir zehn Menschen fragen würden, was Freiheit für sie bedeutet, bekämen wir wahrscheinlich zehn verschiedene Antworten.

Für den einen ist Freiheit ein Van irgendwo am Meer.

Für die andere sind es zwei Stunden allein mit einem guten Buch.

Für jemanden anderen bedeutet Freiheit vielleicht, endlich den Job zu kündigen.

Und für den Nächsten einfach nur, sonntags das Handy auszuschalten.

Dasselbe Wort.

Völlig unterschiedliche Welten.

Warum sollte das bei Klarheit anders sein?


Diese Frage hat mich vor ein paar Tagen beschäftigt.

Nicht, weil ich morgens aufgewacht bin und dachte:

"Heute denke ich mal über Kommunikation nach."

Ganz ehrlich?

Ich wollte eigentlich nur meinen Kaffee trinken.

Ich setzte mich auf den Balkon.

Der Kaffee war heiß.

Die Sonne schien.

Es war einer dieser seltenen Momente, in denen man sich vornimmt, einfach mal nichts zu denken.

Falls du das schon einmal versucht hast, weißt du wahrscheinlich, wie zuverlässig das funktioniert.

manchmal gar nicht.

Mein Gehirn hatte offensichtlich andere Pläne.

Ich nahm einen Schluck Kaffee, schaute auf den Baum gegenüber und dachte plötzlich:

"Komisch..."

Ich habe in meinem Leben schon oft gesagt:

Ich wünsche mir Klarheit.

Aber...

habe ich eigentlich jemals erklärt, was ich damit meine?

Oder bin ich einfach davon ausgegangen, dass der andere das schon versteht?

Ich glaube, Letzteres.

Und genau da wurde es spannend.

Kennst du diese Momente, in denen sich ein Gedanke langsam entfaltet?

Nicht wie ein Feuerwerk.

Eher wie morgens der Nebel, der sich Stück für Stück lichtet.

Genau so war das.

Mir wurde plötzlich klar:

Vielleicht wünschen sich zwei Menschen beide Klarheit

und sprechen trotzdem über zwei völlig verschiedene Dinge.

Der eine meint:

"Sag mir einfach ehrlich, ob du Interesse hast."

Der andere meint:

"Sag mir, ob wir eine Zukunft haben."

Und ich?

Ich meinte etwas völlig anderes.

Ich meinte:

Lass mich nicht rätseln.


Dieser Satz traf mich selbst.

Weil ich in diesem Moment verstanden habe, dass ich gar nicht nach Antworten suche.

Ich wünschte mir Orientierung.

Und zwischen diesen beiden Wörtern liegen Welten.

Unser Gehirn ist übrigens ein ziemlich schlechter Mitbewohner.

Ich sage das mit Liebe.

Aber manchmal benimmt es sich wie diese eine Freundin...du weißt schon.

Die nach zwei Minuten sagt:

Ich will ja nichts unterstellen...

und anschließend eine Theorie entwickelt, die locker drei Staffeln auf Netflix füllen könnte.

Unser Gehirn macht genau das.

Es hasst Informationslücken.

Also füllt es sie.

Nicht mit Fakten sondern mit Geschichten.

Und die sind erstaunlich kreativ.

Plötzlich wird aus einer ausbleibenden Antwort:

"Vielleicht habe ich etwas Falsches gesagt."

Oder:

"Vielleicht ist das Interesse weg."

Oder mein persönlicher Favorit:

"Ich wusste doch, dass ich wieder zu viel war."

geprägt aus Kindheitstagen, die mittlerweile pase sind

Und irgendwo sitzt die andere Person.

Komplett ahnungslos.

Vielleicht im Baumarkt.

Vielleicht im Büro.

Vielleicht einfach nur mit tausend Dingen gleichzeitig beschäftigt,

ohne zu wissen, dass sie in unserem Kopf gerade die Hauptrolle in einem Drama spielt, für das sie niemals das Drehbuch bekommen hat.

Ist das nicht verrückt?

Ich glaube übrigens nicht, dass unser Gehirn das macht, um uns zu ärgern.

Es versucht lediglich, Sicherheit herzustellen.

Denn Unsicherheit fühlt sich für unser Nervensystem ungefähr so angenehm an wie Lego-Steine unter nackten Füßen.

Es will verstehen.

Einordnen.

Vorhersagen.

Kontrolle schaffen.

Und wenn Informationen fehlen, erfindet es sie.

Nicht, weil es böse ist.

Sondern weil es uns beschützen möchte.

Nur leider benutzt es dafür manchmal Geschichten statt Realität.


Während ich also auf meinem Balkon saß und mein inzwischen lauwarmer Kaffee neben mir stand, wurde mir etwas bewusst.

Vielleicht wünsche ich mir gar keine häufige Kommunikation.

Ich brauche niemanden, der mir den ganzen Tag schreibt.

Ehrlich gesagt wäre ich davon wahrscheinlich ziemlich schnell genervt.

"Ich gehe jetzt duschen."

"Jetzt bin ich fertig."

"Jetzt esse ich."

"Jetzt räume ich die Spülmaschine aus."

Danke für die Live-Dokumentation.

Aber wir müssen hier keinen Naturfilm drehen.

Ich brauche das nicht.

Was ich brauche, ist etwas ganz anderes.

Orientierung.

Ein Gefühl von:

"Ich weiß, woran ich bin."

Und plötzlich verstand ich, warum das Wort Klarheit für mich immer so wichtig war.

Nicht wegen der Menge an Kommunikation.

Sondern wegen ihrer Qualität.

Mir ist dabei ein Unterschied aufgefallen, den ich vorher nie bewusst gesehen hatte.

Es macht einen Unterschied, ob jemand irgendwann mal sagt:

„Ich bin einfach jemand, der sich manchmal zurückzieht.“

Oder ob jemand in einer konkreten Situation sagt:

„Ich möchte dir nur kurz Bescheid geben, das ich die nächsten Tage den Fokus komplett meiner Arbeit widmen möchte, damit du weißt, woran du bist. ist das okay für dich?“

Von außen betrachtet wirkt beides fast gleich.

Beides beschreibt, dass jemand Raum braucht.

Aber emotional?

Ist es eine völlig andere Welt.

Das Erste beschreibt einen Charakter.

Das Zweite baut eine Brücke.


Und ich will hier ehrlich sein, mir geht es dabei nicht um reif oder unreif.

Jemand, der klar sagt "ich brauche viel Rückzug, das ist mein Muster", kann genauso Selbstreflektiert sein wie jemand, der die Situation extra einordnet.

Der eigentliche Unterschied liegt woanders.


Er liegt darin, ob ich Verantwortung dafür übernehme, wie meine Worte beim anderen ankommen.

Eine Charakterbeschreibung sagt: So bin ich, mach damit was du willst.

Eine situative Ansage sagt: Ich sehe dich in dieser Situation, und ich möchte nicht, dass du im Ungewissen bleibst.

Beides kann von derselben Person kommen. Beides kann sogar in derselben Woche passieren.

Es geht nicht darum, ein besserer Mensch zu sein.

Es geht darum, ob ich in diesem einen Moment beim anderen mitdenke oder nur bei mir bleibe.

Denn Menschen können nur das verstehen, was wir sichtbar machen.

Nicht das, was wir still in uns tragen.



wir müssen nicht immer alles richtig machen.

Wir müssen nicht ständig erreichbar sein.

Wir müssen nicht jede Nachricht innerhalb von fünf Minuten beantworten.

Sondern verstehen, dass Beziehungen nicht nur aus dem bestehen, was wir fühlen.

Sondern auch aus dem, was wir vermitteln.

Denn Menschen können nur das verstehen, was wir sichtbar machen.

Nicht das, was wir still in uns tragen.

Vielleicht denkt der eine:

"Ich brauche gerade einfach Zeit für mich."

Während der andere denkt:

"mhhhh, was ist passiert? "

Beides kann gleichzeitig wahr sein.

Und genau deshalb reicht es manchmal nicht aus, etwas nur zu fühlen.

Wir dürfen lernen, es auch auszudrücken.

Seit diesem Gedanken stelle ich mir eine andere Frage.

Nicht:

Wie oft schreibt jemand?

Sondern:

Wie fühlt sich seine Kommunikation an?

Denn Worte können Nähe schaffen.

Oder Distanz.

Sie können Orientierung geben.

Oder Verwirrung.

Und manchmal braucht es dafür gar nicht viele Nachrichten.

Manchmal reicht ein einziger Satz.

Ein Satz, der dem anderen sagt:

Du musst dir gerade keine Geschichte ausdenken und du brauchst dir keine Sorgen machen.


Vielleicht siehst du das anders.

Vielleicht bedeutet Klarheit für dich etwas völlig anderes.

Und genau das ist eigentlich der schönste Teil dieses ganzen Gedankens.

Vielleicht geht es gar nicht darum, wer mit seiner Definition recht hat.

Vielleicht geht es darum, dass wir viel häufiger glauben, der andere würde unsere Sprache sprechen, obwohl wir ihm nie erklärt haben, was einzelne Wörter für uns bedeuten.

Liebe.

Freiheit.

Respekt.

Vertrauen.

Klarheit.

Vielleicht lohnt es sich manchmal, nicht nur zu sagen:

Ich wünsche mir Klarheit.

Sondern auch:

Weißt du eigentlich, was Klarheit für mich bedeutet?

Denn vielleicht entstehen die größten Missverständnisse nicht dadurch, dass Menschen nicht kommunizieren.

Sondern dadurch, dass sie glauben, dieselbe Sprache zu sprechen.


Der Kaffee war inzwischen übrigens komplett kalt.

Und trotzdem war es wahrscheinlich einer der wertvollsten Kaffees seit Langem.

Nicht wegen des Geschmacks.

Sondern wegen eines einzigen Gedankens.

Eines Gedankens, der meine Sicht auf Kommunikation verändert hat.

Vielleicht wünsche ich mir gar nicht mehr Kommunikation.

Vielleicht wünsche ich mir einfach nur, weniger rätseln zu müssen.


Long Story Short


Für mich, nach diesem Vormittag auf dem Balkon, bedeutet Klarheit das hier:

Zu wissen, woran ich bin.

Nicht, wie oft jemand schreibt, sondern wie verlässlich sich das anfühlt, was er sagt.

Das ist meine Definition. Nicht die einzig richtige. Aber meine.


 
 
 

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