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Dort leben, wo andere Urlaub machen und trotzdem nicht ankommen


Ich bin in Berlin aufgewachsen.


Betongrau, Tempo, Lärm. Smog, Stress. Das Leben auf 180 einer Überholspur und irgendwie das Gefühl, nie wirklich anzukommen.


An Wochenenden, nicht immer aber so oft ich konnte, bin ich raus. raus aus der Stadt, raus ins Grüne, raus in die Natur. Als ob der Wald draußen das stillen könnte, was drinnen unruhig war.


Heute lebe ich in Brandenburg an der Havel.

Seit acht Jahren.

Wasser, soweit das Auge reicht. Wiesen und Spargelfelder, die sich bis zum Horizont ziehen. Radwege, auf denen man vergisst, wie spät es ist. Und abends eine Stille, die ich in Berlin nie kannte. So still, dass ich hier angefangen habe, jede Nacht zu träumen. Ich hatte das fast vergessen, wie sich das anfühlt.

Ich hab mir ein SUP-Board gekauft.

Nicht um Sport zu machen sondern um die Weite zu spüren. Ich hab mich meistens einfach draufgesetzt und bin rausgetrieben. Aufs Wasser, in die Weite, in die Stille. Nur das leise Plätschern und dieser Himmel über mir.

Nach meinen Schichten im Restaurant Herzschlag  , by the Way, ein wirklicher Herzensort hier in Brandenburg, um gemütlich einen Kaffee zu trinken oder etwas leckeres zu Essen, unweit vom Wasser entfernt, bin ich oft noch kurz draußen stehengeblieben. Dieser Geruch. Leicht fischig, frisch, ein bisschen nach Schilf. Nicht wie die Stadt. Ich hab ihn geliebt.

Und ich hab gelernt, die Jahreszeiten wieder zu sehen.

In der Stadt rauschen sie irgendwie durch. Hier siehst du genau, wann die ersten Knospen kommen. Wann die Felder blühen. Wann sich die Natur wieder in den Winterschlaf zurückzieht. Als würde das Leben langsamer atmen und du mit ihm.


Und weißt du, was ich dir trotzdem sagen muss?

Die Stille draußen macht die Stille drinnen nicht lauter oder die Stille hier draußen macht das laute in einem drinnen nicht leiser

Ich war noch dieselbe.

Dieselben Gedankenschleifen abends im Bett. Dieselben Muster. Dieselbe innere Unruhe, die sich mal als Grübeln verkleidet, mal als das dumpfe Gefühl: Irgendetwas fehlt noch.

Der Ort hatte sich verändert. Das Innenleben nicht.

Wir machen das alle.

Wir suchen im außen was wir drinnen nicht finden können. Einen neuen Job. Eine neue Stadt. Einen neuen Anfang, irgendwo, nur nicht hier, nicht so.

Aber egal wohin wir ziehen, wir nehmen uns selbst immer mit. Das ( innere) Gepäck, das wir nicht bewusst eingepackt haben, kommt trotzdem an, weil es in uns drin ist, ob wir es wollen oder nicht


Am Anfang war es wie ein Aufatmen.

Alles neu, alles anders.

Diese Energie, wenn man irgendwo ankommt und denkt: Jetzt. Jetzt wird alles besser. Dieses Kribbeln, das einen trägt. Und mit dem Alltag kamen sie wieder. Dieselben Gedankenschleifen abends im Bett, dieselben Muster in Beziehungen, dieselbe innere Unruhe. Ich hab sogar gemerkt, dass ich ähnliche Situationen anzog wie vorher, ähnliche Menschen, ähnliche Reibungspunkte, ähnlichen Stress, nur eben mit schönerem Ausblick.


Der Ort hatte sich verändert. Ich nicht.

Und das ist der Moment, den die meisten nicht kommen sehen. Dieser stille, ernüchternde Moment, in dem man merkt: Das hier war kein Neustart von mir , sondern das war ein Umzug mit mir

Ganz leise, ganz normal. Und das ist nicht seltsam. Das ist Leben. Aber genau in diesem Moment, wenn das Neue zur Gewohnheit wird, zeigt sich, was wirklich in uns steckt. Was wir mitgebracht haben und Was geblieben ist. Der eine zieht ans Meer. Die andere in die Berge. Wieder eine andere träumt davon, irgendwann im Süden aufzuwachen, wo das Licht wärmer ist und das Leben leichter wirkt.

Ich versteh das. Ich bin ein absoluter Wassermensch und ich träum auch noch vom Süden.

Aber ich weiß heute: Egal wohin wir ziehen, wir nehmen uns selbst mit. Das Gepäck, das wir nicht eingepackt haben, kommt trotzdem an. Es braucht keine Spedition. Es ist einfach da.


Was mich wirklich verändert hat, war nicht der Umzug.

Es war die Entscheidung, nach innen zu schauen. Dorthin, wo es unbequem wird. Wo die echten Fragen sitzen. Warum reagiere ich immer wieder so? Warum ziehe ich immer wieder das an? Was will ich wirklich?

Das war keine einmalige Erkenntnis. Das war Arbeit. Langsam, manchmal alles andere als idyllisch.

Aber es war die einzige Veränderung, die wirklich etwas verändert hat.


Ich sitze manchmal morgens mit meinem Kaffee im Bett und schaue raus zu einem Baum direkt vor meinem Fenster. Er trägt Blätter, Farben, Vögel und den Wind der durch ihn hindurch streift

Und ich weiß: Dieser Ort ist ein Geschenk. Wirklich. Die Weite, die Luft, die Vielfalt der Natur, das Licht auf dem Wasser.

Aber das innere aufgeräumt sein, das hat mir kein Umzug geschenkt.

Das war Arbeit. Innere Arbeit. Langsam, unbequem, manchmal alles andere als idyllisch.

Und gleichzeitig glaube ich: Es darf uns immer wieder daran erinnern, egal wo wir gerade sind, was für ein Geschenk jeder Moment ist. Dieser Ort. Dieses Leben, genau so wie es ist.

Nicht weil alles perfekt ist.

Sondern weil ich gelernt habe hinzuschauen.


Ich bin dankbar, hier zu leben.


Aber die Frage, die ich dir gerne mitgeben möchte, ist diese:

Wie viel Energie steckst du in den nächsten Neuanfang draußen und wie viel in den Neuanfang in Dir? in dein Innenleben?

Denn der Ort, an dem sich wirklich etwas verändern kann, hat keine Adresse, sondern er wohnt in Dir.





4 Kommentare

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Gast
04. Mai

Ich Danke dir für deine Zeit meinen Blog zu lesen und es freut mich das er dir zeigt, das du nicht alleine bist und wir alle vor den gleichen Herausforderungen stehen ❤️

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Jasmina
03. Mai
Mit 5 von 5 Sternen bewertet.

Woww mega schöne Reise auf die du mich gerade mitgenommen hast ❤️

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Gast
04. Mai
Antwort an

Danke liebe Jasmina ❤️

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Gast
03. Mai
Mit 5 von 5 Sternen bewertet.

Wow, genau vor dieser Herausforderung stehe ich. Dieser Blog ist genau das, was ich gerade gebraucht habe. Ich danke Dir.

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